Eiger (3.970m) - Mittellegigrat
Reisestationen: 9Kanäle Abenteuer
Autor:
sven.r
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Kaum ein Berg der Alpen ist so bekannt wie der Eiger. In erster Linie hat er seinen Bekanntheitsgrad seiner weltbekannten Nordwand zu verdanken. Chichi (Patrick Guhse) und ich allerdings haben uns diesmal dem etwas weniger bekannten Mittellegigrat gewidmet. Der zieht von Osten her auf den Gipfel des Eigers. Rund 600 Höhenmeter sind von der Mittellegihütte bis zum Gipfel zu überwinden. Die Mittellegihütte selber wurde vom Grindelwalder Bergführerverein gestiftet. Die heutige Hütte ersetzte 2001 die Originalhütte, die ehemals mit Hilfe einer 10.000 SFr-Spende des Grat-Erstbegehers Maki Yuko gebaut wurde.
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GindelwaldGeo-Koordinate: Breite. 46.62193 / Länge. 8.02398
Will man den Eiger über den Mittellegigrat ersteigen lässt man sein Auto in Grindelwald stehen und steigt auf öffentliche Verkehrsmittel um. Die Jungfraujochbahn bringt uns zur kleinen Scheidegg.
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Kleine ScheideggGeo-Koordinate: Breite. 46.58527 / Länge. 7.96168
Hier heisst es umsteigen und dann geht es weiter in den Eiger. Drei Stationen liegen zwischen der kleinen Scheidegg und der Station Jungfraujoch.
Die Kleine Scheidegg gehört zur Nordwand wie das Amen in der Kirche! Von hier aus ist der Blick in die Nordwand grandios. Hier wurden Dramen und Helden geboren!
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Station EismeerGeo-Koordinate: Breite. 46.5712 / Länge. 8.00993
Es weiter, in den Eiger. Drei Stationen liegen zwischen der kleinen Scheidegg und der Station Jungfraujoch: Station Eigergletscher, hier steigt man aus, will man die Eiger Nordwand begehen, Station Eigerwand und die Station Eismeer. Hier verliesen wir die Bahn und staunten nicht schlecht beim Anblick dieser Station, die mitten in den Berg gebaut wurde. Große Panoramafenster erlauben einen fantastischen Blick auf den Ischmeergletscher und zum ersten Mal ist die Mittellegihütte zu sehen. In der Wärme und Geborgenheit der Station machen wir uns daran unsere Ausrüstung auszupacken und anzulegen. Die mit uns ausgestiegenen Touristen waren schon bald wieder eingestiegen und weitergefahren. Seltsam ruhig und menschenleer wurde es auf einmal. Der Ausgang zum Stollen IV war Dank der hilfreichen Schaffnerin schnell gefunden. Er wird von einem Schild mit der Aufschrift “Achtung - Alpine Gefahren” geziehrt. Beim anlegen unserer Ausrüstung geraten wir ins schwitzen und als wir endlich die Ausgangstür zu einer völlig anderen Welt aufstossen bin ich froh, dass es endlich los geht. Es ist wie bei Alice im Wunderland. Mit einem Schritt durch die Tür ist von der sicheren Welt in der wir gerade noch gestanden sind nichts mehr vorhanden.
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Stollen IV / StollenlochGeo-Koordinate: Breite. 46.57174 / Länge. 8.01061
Wir stehen in einem dunklen felsigen Stollen, vor uns geht es steile Stufen bergab, links von uns sehen wir eine weitere Tür, die nach draussen zu führen scheint. Vorsichtig stossen wir die tür auf und werden von der einfallenden Sonne geblendet. Ein etwa 50cm schmales Felsband trennt uns vom 30 Meter tiefen Abgrund, der uns die Tür schnell wieder schliessen und nach einem anderen Ausgang suchen lässt. Wir folgen den Stufen weiter nach unten bis diese zusehens vereisen und uns zu einer halb zugeschneiten offenen Tür führen. Auf allen Vieren kriechen wir durch den Schnee und zwängen uns zur Tür hinaus. Noch ein paar Meter in leichtem Fels absteigen und wir stehen auf dem Gletscher, mitten in einer Steinschlagzone.
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MittellegihütteGeo-Koordinate: Breite. 46.58726 / Länge. 8.02982
Die schmale Spur ist leicht zu finden und führt uns nach ca. einer Stunde Gletscherhatsch an einen Steilaufschwung. Der Bergschrund ist verhältnismäßig leicht überwunden und es geht nun durch eine gut mit Bohrhaken gesicherte 3+ Seillänge auf eine Art Plateau, das allerdings die unangenehme Eigenschaft hat ca. 40 Grad geneigt zu sein. Im Führer stand dazu “über leichte Bänder weiter zur Hütte”.
Der Führer hat nicht ganz unrecht. Die Bänder sind leicht - leicht geneigt. Sie bieten eine gleichmäßige Bedeckung mit Splitt, der jeden Schritt zu einer ungewollten Rutschpartie machen kann. Mit angemessener Vorsicht gehen wir am gleitenden Seil weiter in Richtung Hütte und erreichen diese nach ca. einer Stunde Aufstieg.
Auf der Mittellegihütte werden wir von Corinne der Hüttenwirtin herzlich mit einem Willkommens-Tee begrüßt. Corinne ist die gute Seele der Hütte. Immer gut gelaunt und nebenbei sorgt sie für ihre Bergsteiger mit hervorragendem Essen. Die kleine Hütte fasst ca. 50 Bergsteiger und war voll belegt. Essen in zwei Schichten waren wir inzwischen gewohnt und arrangierten uns mit den anderen Bergsteigern so gut es ging. Nach dem Essen bekam jeder von Corinne seine Frühstückszeit genannt. So regelte sie auch noch den Verkehr am Grat.
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Eigergipfel über MittelegigratGeo-Koordinate: Breite. 46.57761 / Länge. 8.00542
Als ich am nächsten Morgen bereits um 5.05 Uhr fragte wo ich mich hinsetzen dürfe erhielt ich zur Antwort ich sei doch noch gar nicht dran! Diese sehr restriktive Massnahme hatte aber erfreulicherweise zur Folge, dass später am Grat kaum Seilschaftsverkehr entstand. Alles hatte sich schön verteilt. Von den ca. 20 Seilschaften an diesem Tag nahmen wir lediglich zwei wirklich wahr. Sehr angenehm, Corinne sei Dank!
5.15 Uhr bekamen wir dann unser Frühstück. Eine dreiviertel Stunde später standen wir angeseilt in der kalten Dämmerung und machten uns auf den Weg zum Eigergipfel. Immer an der Gratschneide entlang. Kletterei bis 3+ teilweise gut mit Fixseilen versichert. Dicke Taue, an welchen man sich hochziehen kann machen die Gratbegehung einfacher. Hier lässt sich auch gut sichern und so kommt man zügig vorwärts. Immer wieder gilt es luftige Gratpassagen zu überwinden an welchen links und vor allem rechts (Richtung Nordwand) die Tiefe förmlich an einem saugt. Etwas Konzentration und Überwindung gehört dazu um sich an diesen Stellen nicht lähmen zu lassen. Immer wieder folgen steile Aufschwünge und Gendarmen die es zu bewältigen gilt bis wir endlich den Gipfelgrat erreichen. Wir ersteigen südseitig die Gipfelwächte hinauf um dann auf der Nordflanke den Spuren im Firn zu folgen.
1.000 Meter erstreckt sich unter uns die gefürchtete Nordwand. Der typische Blick aus der Nordwand auf das grüne Tal weckt Erinnerungen an Harrers ‘Weisse Spinne’. Noch wenige Meter trennen uns vom Gipfel, dann haben wir es geschafft und stehen bereits um 10.00 Uhr auf dem unscheinbaren Gipfel des Eigers. Die Aussicht ist herrlich. Seit Tagen haben wir bestes Bergwetter und auch heute können wir nahezu bis in den Schwarzwald sehen. Viel näher ist uns jedoch der Mönch mit seinem ausgesetzten Gipfelgrat, den wir zwei Tage später begehen werden.
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Abstieg - Nördliches EigerjochGeo-Koordinate: Breite. 46.57043 / Länge. 8.00704
Unter uns erstreckt sich unser Abstieg, bzw. Weiterweg. Wir sehen in das nördliche Eigerjoch und machen uns wieder auf den Weg.
Nach dem langen Aufstieg ist es eine willkommene Abwechslung mal wieder bergab zu gehen. Der Weg ist leicht zu finden, die Tritt- und Kratzspuren von den Steigeisen unserer Vorgänger sind deutlich. Schnell erreichen wir die Sicherungsstangen der Abseilstellen. Drei Mal geht es am Seil bergab bis wir schliesslich auf einem kleinen Eisfeld landen das wir in gewohnter Frontzackentechnik absteigen. Schon nach einer Stunde stehen wir im nördlichen Eigerjoch und erliegen dem Trugschluss unser Feierabendbier wäre schon zum greifen nahe. Wie sehr man sich doch täuschen kann!
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Abstieg - Südliches Eigerjoch
Geo-Koordinate: Breite. 46.56429 / Länge. 8.00272
Der Übergang vom nördlichen ins südliche Eigerjoch ist schon fast eine Tour für sich. Erfreulich ist allerdings der Gesteinswechsel vom bröseligen Eigerkalk zu feinem und vor allem festem Granit. Scheinbar endlos zieht sich die Gratlinie des Übergangs hin. Nach jedem überstiegenen Turm bieten sich neue Eisflanken und Grattürme dar, die es zu überwinden gilt. Dabei ist die Kletterei keineswegs eintönig sondern äusserst Abwechslungsreich. Da geht es durch vereiste Felsrinnen, im vierten Grad um ausgesetzte und luftige Kanten herum, über ausgesetzte Eisflanken und über luftige Felstürme die aussehen als würden sie bei der ersten Berührung umkippen. All das mit unseren ständigen Begleitern den Steigeisen an den Füssen. Die dicken Bohrhaken sichern hier immerhin die Standplätze ab und im Granit lassen sich ausreichend Zwischensicherungen legen um wohlbehalten und gut gesichert nach einigen Stunden im südlichen Eigerjoch anzukommen. Der folgende Gletscher hat aufgrund der fortgeschrittenen Uhrzeit und seiner südlichen Exposition leider schon wesentliche an Tragfähigkeit verloren. So schlurfen wir über den ‘fauligen’ Schnee, versuchen die vorhandenen Spalten so gut wie möglich zu umgehen bzw. hupfen darüber wenn es gar nicht anders geht.
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MönchsjochhütteGeo-Koordinate: Breite. 46.55473 / Länge. 8.00568
Ziel erreicht! Zehn Stunden nach verlassen der Mittellegihütte haben wir auch die letzten Höhenmeter des Gegenanstieges zur Mönchsjochhütte überwunden und lassen uns vor der Hütte in der Sonne und unterm Mönch nieder. Tagsüber von zigtausend Touristen besucht die vom nahegelegenen Jungfraujoch herüberpilgern, wandelt sich die Hütte Abends wieder zu dem was sie eigentlich ist: Zufluchtstätte für Alpinisten. Bis spät am Abend trudeln die letzten Bergsteiger ins warme und trockene, teilweise mit bösen Blasen an den Füssen. Eines haben hier alle gemeinsam: Alle haben einen oder mehrere glückliche Tage hinter sich!












